In Anbetracht der Fülle von Ideen, Überlegungen, Arbeitsschritte, Fotos und Videos, die in diesem persönlichen Workshop entstanden sind, werde ich zum einfacheren Verständnis meinen Beitrag für Sie, in Kapitel gliedern. Es waren knapp 5 fachlich überaus befruchtende Tage, die ich mit meinem jungen Kollegen Gerhard Eder in der Backstube verbringen konnte.

Einleitende Worte

Am Tag der Fertigstellung dieser zauberhaften Collage zum Thema Hochzeit, besuchte mich eine mir liebe Freundin. Eine ihrer ersten freudigen Anmerkungen war: „Die Torte sieht ja aus, wie vom Zuckerbäcker!“

6_Träume haben„Wie vom Zuckerbäcker“ – ich war in diesem Moment hoch erfreut und Abends wurde ich über diese mir persönlich sehr schmeichelnde Aussage, doch etwas nachdenklich. Gibt es sie nicht mehr, die typischen Anlaßtorten vom Zuckerbäcker. Gibt es ihn nicht mehr, den unverkennbaren wiener bzw. österreichischen Zuckerbäckerstil, der früher auch bei Weltausstellungen, vom internationalem Publikum bewundert wurde? Werden wir Zuckerbäcker (Konditoren), als Nachfolger unserer Urgroßväter und Großväter, die unsere Mehlspeisen in die Welt hinaus getragen hatten und wir hierfür noch immer bewundert werden, zu Imitatoren? Die französiche Tortenkunst ist eine besondere, die englische hat mir ein bisschen zuviel Stoffbänder, Tüll und versteckte Drähte, ist aber rein optisch einwandfrei. Letztendlich kommen jedoch die Menschen aus allen Ländern rund um den Globus zu uns nach Österreich auf Besuch, um unter anderem, unsere süßen Künste zu bewundern und nicht deren eigenen!

1. Kontakt, Idee, Planung, Beginn

Der Kontakt zwischen Gerhard Eder und mir, erfolgte wie gewöhnlich über meine Webseite, als Seminaranfrage. Einige Mails später deklarierte sich Gerhard Eder, dann allerdings als Kollege (Konditormeister und Fachlehrer der Berufsschule Baden für Konditoren und Bäcker). Damit änderte sich für mich natürlich das Anforderungsprofil für den persönlichen Workshop, in eine andere Ebene. Auch wollte mein junger Kollege schon eine Grundidee für die Gestaltung, von mir präsentiert bekommen. Ein Schritt, der normalerweise als gemeinsamer Beginn des Seminares erfolgt und einen wichtigen Teil des Workshops mit mir darstellt. In diesem speziellen Fall, habe ich aber ein Grobkonzept sehr gerne erstellt und wie man sieht, ein doch recht gelungenes. Wenngleich sich natürlich während der praktischen Umsetzung immer wieder Änderungen als sinnvoll ergeben und auch die eine oder andere neue Idee mit einfließt. Durchaus gewünscht und absolut im Sinne einer kreativen Zusammenarbeit!

Wichtig ist jedoch die eigene Vorstellungsgabe und das Bauchgefühl! Eine Anlaßtorte ist wie ein Puzzle. Wer vor lauter Einzelteile nicht das Gesamtbild erkennen kann, wird es nicht leicht haben, dieses zusammensetzen zu  können. Und wer nicht aus seinem Bauch heraus entscheiden kann, welche Proportionen, welches Farbenspiel, welche Anordnung der einzelnen Elemente, die bestmöglichen sind, der wird letztendlich, trotz allem auch ein Meisterwerk präsentieren, aber eines gänzlich ohne Wärme und Charakter.

 2. Vorausdenkend Produzieren, Größenverhältnisse abgleichen, neue Ideen einfließen lassen, Geduld

Geduld ist eine Eigenschaft, die mir schon als Kind nicht gegeben war. Das heißt, ich habe sehr schnell verstanden, das gezieltes Vorausdenken, den für mich schrecklichen Faktor Geduld um einiges erträglicher macht. Ich versuche daher, bei Projekten wie diesem, alle Eventualitäten wie: Statik, Bruch von Dekorteilen, mögliche Alternativen zu geplanten Positionen, alternative Rohstoffe zur Herstellung von Dekorteilen (Schokolade statt Spritzglasur, Pastillage statt Tragant, Marzipan statt Pastillage, etc.) zu berücksichtigen und am Beginn, alle Arbeitsschritte bis zur Fertigstellung durch zu denken. Damit vermeide ich Verzögerungen, bei notwendigen Änderungen, wie Sie während des Aufbaues einer solchen Torte immer wieder vorkommen, ohne jedoch den geplanten und vor allem erwünschten Charakter dieser, zu beeinträchtigen.

3. Detailverliebt sein, kreativ sein, flexibel im Aufbau sein, Emotionen fühlen

Wenn es Richtung Fertigstellung geht, dann wird man von vielen Emotionen getrieben. Selbst bei meinem eher sehr ruhig und überlegt wirkenden jungen Kollegen Gerhard, konnte ich die steigende Spannung, die steigende Erwartungshaltung und die eintretende Vorfreude, von einem Moment zum anderen, ganz stark spüren. Es war für ihm als Fachmann, vielleicht etwas schwieriger, mir auf unserem gemeinsamen Seminarweg zu vertrauen. Meister Eder, wie er auch genannt wird, hat mir aber vertraut und dafür möchte ich mich hier und jetzt, ganz herzlichst, bei Dir lieber Gerhard, bedanken und mit dem Ergebnis waren wir ja beide, wirklich sehr entzückt!

4. Zusammenfassung

Oftmals ist es viel besser, auf ein Projekt los zugehen, als es zehnmal zu Hinterfragen. Wenn man dann mittendrin ist, merkt man noch früh genug, was man sich damit angetan hat. Ohne die nötige Materialkunde geht aber rein gar nichts! Begeisterungsfähig und ein bisschen selbst verliebt in sein Werk zu sein, hilft prinzipiell. Vorstellungskraft und Vorausdenken ist unheimlich wichtig. Nur mit Hirn zu arbeiten, ist zu wenig.

5. Fakten

Die Torte ist ca. 85 cm breit, ca. 55 cm tief und ca. 45 cm hoch. Als echte Torte, würden bei diesen Maßen, ungefähr 200 Stücke herhausgeschnitten werden können. Es wurden ungefähr 22 charakterlich unterschiedliche Dekorelemente verwendet, die ca. 448 Mal auf der Torte platziert wurden. Meine Rohkalkulation von Material und Arbeitszeit, würde einen ungefähren Bruttoverkaufspreis von mindestens Euro 2.612,00 ergeben.