„1970“ – ich (links) mit meinen beiden Geschwistern

„fast heute“ – obwohl dieses Foto von mir in Farbe ist, war unsere Welt damals, nicht weniger bunt!

Über 50 Jahre liegen zwischen diesen beiden Fotos – ein gutes halbes Jahrhundert. Und wie so oft, in einer Zeitspanne wie dieser, hat sich nicht nur in meiner Familie viel verändert, sondern noch viel mehr in meiner Zunft, der Zuckerbäckerei!

In Wien, sind wir mehr oder weniger ausgestorben. Wir, einst so stolzen, traditionsreichen und erfolgreichen Zuckerbäckerfamilien. Der Zuckerbäcker (Konditor) um´s Eck, Ihrer Großeltern und auch noch Ihrer Eltern, meine lieben Leser, ist bereits Vergangenheit. Vergangenheit ist auch die Vielfalt an Wiener Mehlspeisen und vorbei ist es mit den besonderen Hausspezialitäten jeder dieser Familien, die von Vater zu Sohn oder von Sohn zu Tochter, weitergegeben wurden. Ich behaupte nicht, dass wir nicht auch selbst ein bisserl daran Schuld sind. Und doch meine ich zu Wissen, dass uns allen, die Wertigkeit für´s Handwerk und die Kunst, die sich aus dem Können der vielen Handwerker über etliche Generationen entwickelt hat, verlorenen gegangen ist. Schade! Denn ohne Handwerk, gäbe es keine industrielle Fertigung. Und nur mit industrieller Fertigung, wird´s auch nur mehr die Einheits-Topfengolatsche geben – überall im Lande und in jedem Café!

Ich selbst, bin der letzte Spross aus 2 süßen Familien. Den Hawlik´s, der Familie meiner Mutter und den Mantl-Mussak´s, der Familie meines Vaters. Einiges an ungeschriebenen Fachwissen ist mit meinem Urgroßvater verloren gegangen, vieles mit meinen beiden Großvätern. Von meinem Vater und der Generation meines Vaters, habe ich gelernt, noch mehr gesehen und einiges davon, leider viel Zuwenig, für meine eigenen Notizen aufgeschrieben. Heute sind sie alle schon verstorben! Und oftmals fehlen mir mein Vater und meine älteren Kollegen doch sehr. Vor allem für die eine oder andere Fachfrage, die sich für mich, auch nach so vielen Jahren in der Backstube, immer wieder ergibt. In meinen weit über hundert Fachbüchern, finde ich diesbezüglich nur selten die richtige Antwort!

Nun ist es für mich an der Zeit, all jenen unter Ihnen, die sich für die klassische Wiener und Österreichische Kunst des Backens interessieren, davon zu erzählen und vor allem viel davon zu zeigen, wie eben früher „Seinerzeit zu meiner Zeit“ in den vielen Hunderten kleinen Backstuben Wien´s und Österreichs, gearbeitet wurde. Mit ganz viel Liebe, Ehrfurcht und Stolz! Wie meine Urgroßeltern, Großeltern, Eltern und auch ich, mit den Früchten unserer Erde und unseren über Generationen gehüteten, gepflegten und weitergegebenen Werkzeugen und Rezepturen, handwerklich geschmackvolle Qualitätsprodukte erzeugt haben.

Herzlich Willkommen in meiner Backstube, herzlich Willkommen bei Backen mit Dir, herzlich Willkommen beim gemeinsamen Backen, Schokolade Gießen, Marzipan Modellieren oder beim Herführen von wunderbaren Österreichischen Nachspeisen!

Ihr

Zuckerbäcker (ist mir viel lieber, als Konditormeister)

Michael Mantl-Mussak