Auch wenn ich ganz viel Zeit meiner Kindheit in den Bergen verbracht hatte, so war doch das Wandern überhaupt nicht meines! Und wenn mich meine Großeltern überhaupt dazu bewegen konnten, stundenlang bergauf zu marschieren, dann nur mit einem süßen Versprechen!

ein ganz seltenes Foto – ein Foto mit unserem Vater zusammen, der ja meist in seiner Backstube stand! PS.: Aus den Gesichtern von meinen Geschwistern und mir, schließe ich, dass wir nicht ganz freiwillig in den Wäldern von Prigglitz unterwegs waren?!“

In Prigglitz über dem Schwarzatal, unweit vom Semmering, war ursprünglich mein Urgroßvater der Huf- und Wagenschmied, im Dorf und für die ganze Umgebung. Und für uns Kinder, waren die Aufenthalte in Prigglitz eine hervorragende Möglichkeit, bei meinen Großeltern, Tanten und Onkeln, einem pflichtenlosen Kinderleben zu frönen. Nur das Wandern, war eben so gar nicht meine Sache, obwohl mein Großvater immer nebst seinem Taschenmesser zum Holzstock schnitzen, ein leckeres Wurstkranzl, ein großes Stück saftigen Brotlaib und viel viel Geduld – vor allem für mich – in seinem alten Rucksack, mitgetragen hatte.

Auch wenn es vielleicht nur in meiner Erinnerung, so vernetzt geblieben ist: „Zum Trinken brauchten wir nie etwas mit, denn in meiner Kindheit flossen noch rund um Prigglitz, klare Bächlein frei vom Berg herunter. Erst später wurde das Wasser für die Trinkwasserversorgung in Reservaten gesammelt und versiegte damit sozusagen für die Wanderer. Übrigens wurde Prigglitz in den Anfängen der Besiedelung „Prueglleins“, wegen seiner vielen kleinen Holzbrücken über den Bächen, genannt und erst in der Neuzeit wurde aus Prueggleins eben Prigglitz.

hier sind meine „Schokoladen“ Großeltern (Hilde und Josef Hawlik) aus Wien, zu Besuch bei uns in Prigglitz

„Woll ma net heut zur Everl auffe gehn“, bedeutete vor allem für mich, murrend und nach Ausreden für einen Abbruch suchend, endlos lange bergauf zu marschieren. Rast machen und auf einem umgefallenen Baumstamm sitzend, ein von meinem Großvater kunstvoll runter geschnittenes Stückerl Brot und Wurst zu essen, wiederum meine Lieblingsbeschäftigung. Der Aufforderung zum Weitergehen, folgt ich nur mit dem Trick bzw. dem Versprechen meiner Großeltern, dass ja bei der Everl droben, ein gutes Schöberl auf mich warten würde. Wie wahr! Das lauwarme Schöberl, dass man bis heute nur auf der Walburgangerhütte zubereitet bekommt, war und ist eine Quelle aller meiner süßen Träume, ja, ein wahres kulinarisches Gedicht!

Maria Ströbl, geb. Zottel, ist eine begnadete Schöberl Bäckerin, wie schon ihre berühmte Großmutter die „Everl“

Die Maria Ströbl, die Enkelin der berühmten Everl, die damals mit Ihrem Mann, dem Josef Zottel, die Hütte auf knapp 1200 Meter zwischen den beiden Weltkriegen bauten und auch ausschließlich darin ganzjährig gewohnt hatten, betreibt heute mit Ihrer Schwester und Ihrem über achtzigjährigen Vater, einige Monate im Frühjahr und im Spätsommer noch die Hütte. Nebst dem ländlichem Brauchtum, das die Maria mit großer Hingabe pflegt, beherrscht Sie auch zu meiner großen Freude, die Kunst des Schöberl Backen, ganz excellent. Auf meine Frage, wie viele prominente Gäste, schon in der Waldburganger Hütte ein Schöberl von Ihr, Ihrer Mutter oder Ihrer legendären Großmutter mit Hochgenuß verschlungen hätten – ich weiß von früher ganz gut, wer aller von Prigglitz aus, rauf auf den Berg marschiert ist -, antwortete Sie mir nach kurzem Überlegen nur mit einem sanften Lächeln und den Worten, dass in die Hütte nur Wanderer kommen, die alle mit dem gleichen herzlichen „Grüß Gott“ begrüßt und dem selben (köstlichen – Anmerkung von mir) Schöberl verpflegt werden.

Mir bleibt nur mehr ein großes Dankeschön auf den Gahns zur Waldburganger Hütte am Ende (bzw. am Anfang) der riesigen Bodenwiese zu senden! Nicht nur für die herzliche Aufnahme durch Maria und die tolle Bewirtung nebst den köstlichen Schöberln auch mit wohlschmeckendem geselchtem Speck, selbst gemachten lauwarmen Brot und frischen Natursäften von der Familie Zottel, sondern auch für einige Stunden des friedlichen und freundschaftlichen Zusammenseins, ohne Hektik und Alltagsstreß! Wenn ich darf, dann komme ich gerne wieder,

ganz liebe Grüße, auch nach Prigglitz

Michael

Die Sommerpause 2017 ist nun um!

Maria Ströbl, geb. Zottel, die mich auf der Waldburganger Hütte, in die Geheimnisse des Schöberl Backen´s einweihte

Wer mich kennt weiß, dass ich zwar meine Pausen genieße, nicht jedoch den Sommer als solchen selbst. Daher ist mir mein verregneter Ausflug, zur Waldburganger Hütte am Gahns, gerade recht gekommen. Gelegen am Ende der flächenmäßig größten Alm Niederösterreichs, auf der Bodenwiese. Es gibt ja ganz unglaubliche und kompliziert aufgebaute Mehlspeisen, die mich natürlich als Fachmann beeindrucken und wofür ich auch sehr gerne vor meinen Kolleginnen und Kollegen den Hut ziehe. Aber es gibt auch die österreichischen „Schmankerln“ von denen man, wenn man sie auch nur einmal im Leben gegessen hat, immer wieder träumt. Bei mir ist es in diesem Fall, das Schöberl! Und ich verbeuge mich tief, vor 3 Generationen Schöberl – Köchinnen!! Einfach in seiner Art – das ist der Trick bei den allerbesten von den besten Nachspeisen – und nach einem mehrstündigem Aufstieg zur Hütte, ein kulinarischer Genuß, wie man ihn sich schöner nicht wünschen könnte! Leider kann ich Ihnen kein Schöberl über den Bildschirm servieren. Aber ich kann Ihnen, mit dem nachfolgenden Video, einen solchen Gusto darauf machen, dass auch Sie sich eines Tages zur Waldburganger Hütte (Achtung Öffnungszeiten!) aufmachen werden, um ein oder auch zwei Schöberln zu genießen.

Ihr

Michael Mantl-Mussak