Wenn der Zuckerbäcker ganz stolz, die noch warmen Striezel aus der Backstube, nach vor oder rüber in den Konditorei Laden gebracht hatte, dann war das immer entweder an einem Freitag oder an einem Samstag. Denn nur für´s Wochenende wurden sie gebacken, die saftigen, flaumigen und vollmundigen Briochestriezel. Und das war gut so!

Mir sind leider im Raum Wien, kaum mehr solche Konditoreien bekannt. Mir sind leider im Raum Wien, auch kaum mehr Konditoreien bekannt, wo der Striezel so schmeckt, wie früher: voll nach Dottern und Eiern, reich an Butter, flaumig und saftig. Selbst in einer mir bekannten Biobäckerei, ist der teure „Bio Striezel“ nichts anderes als ein leicht gesüßter, blasser Sandwichteig. Frechheit!

Und bevor ich jetzt aufhöre zu granteln, möchte ich noch eines Anmerken: „Der Striezel vom Supermarkt und vom Großbäcker, schmeckt in der Regel genauso, wie das was Sie dafür bezahlen – nicht viel!“ Sie müssen sich eigentlich ja nur ansehen, meine Damen und Herren, was alleine schon 6 Eier und ein 1/4 kg Butter kosten. Und die Summe daraus vergleichen Sie dann mit dem „Verkaufspreis“ von 2 – 3 Striezeln.

Ergo, ein guter Striezel gehört nur zum Wochenende gebacken. Frisch gebacken! Wie auch die Krapfen nur vom 11.11. um 11 Uhr 11 bis zum Faschingsdienstag Ladenschluß, verkauft werden sollten.

Striezel Backen 🙂

Wenn Sie einen guten Striezel backen wollen, dann brauchen Sie es warm in Ihrer Küche, viele Eier (Dotter) und eine gute Menge an Butter. Und Sie sollten sich schon etwas Zeit hierfür nehmen. Ein Dampfl (Vorteig) ist anzusetzen, um einen schönen gärstabilen und feinporigen Teig zu erhalten. Auch sollte der fertige Teig nochmals in Ruhe „ein Stückerl aufgehen“ können, um so vor dem Flechten nochmals zusammengeschlagen zu werden. Damit verteilen Sie das von der Hefe produzierte Gas (Kohlendioxid) besser im Teig und Sie vermeiden damit große Poren, fördern aber gleichzeitig ein gleichmäßiges „wachsen“ des Teiges. Ein feinporiger Teig, ist im Normalfall auch ein saftiger! Übrigens: Ich selbst, wärme für meinen Briochestriezel, wie auch für die Krapfen, das Mehl immer leicht an. Die Milch sowie so! Und wenn ich die Milch für das Dampfl entnommen habe, gebe ich in die restliche warme Milch auch gleich den Zucker und die Butter. Das Salz, im Teig ganz wichtig, gebe ich schon der gesamten Milch beim Anwärmen, somit auch der für´s Dampfl bei. Den Salz schadet der Hefe keineswegs (Fett schon). Im Gegenteil, Salz verlangsamt nur die Hefetätigkeit ein bisschen und damit wird weniger Zucker abgebaut ohne das der Teig seine Gärstabilität und die Hefe ihre Triebwirkung, verliert. Wenn dann der Striezel geflochten ist, muß er wieder bei ganz milder Wärme, am besten mit etwas warmen Dunst (Schälchen mit heißem Wasser), aufgehen, sprich weiter gären. Allerdings nur soviel, dass er beim Anbacken im Ofen, sein Volumen nochmals um ca. ein Drittel vergrößern kann. Nur dann hat auch die Hefe nicht zuviel von dem Zucker im Mehl und dem beigefügten Zucker „verbraucht“. Und wie wir alle wissen, ist Zucker ein ganz wichtiger Geschmacksträger. Wie auch das Salz ein wichtiger Geschmacksverstärker ist und gerade beim Teig auch für die Farbe beim Backen (Kruste), mit entscheidet.

Das alles habe ich mit den sieben Jungs aus der ZIS Hackinger Kai 15, besprochen und auch in´s praktische umgesetzt. Und ich muß echt sagen, toll waren alle! Der fachliche Zugang und das Interesse war im Vergleich zu so mancher anderen Schulklassen, die bei mir schon zu Gast waren, hervorragend! Verdanken tun die Jungs, meine Einladung zu mir in die Backstube, aber Ihrer Lehrerin, Frau Brigitte Neumeister.

In Ihrer ersten Mail vom 21.09.2017, erzählte Sie mir – ohne mich zu kennen – ein bisschen etwas über Ihrer Arbeit als Religionslehrerin an den verschiedenen Schulen, wie eben der ZIS Hackinger Kai. Auch das diese Gruppe von Jugendlichen kaum Zugang zu diversen Events hätten. Von „keinem“ Budget (nicht von einem kleinen), um mich bezahlen zu können und – und das hat mich am meisten berührt – von Eltern bzw. Erziehungsberechtigten, die so einen Ausflug in´s traditionelle Handwerken, für unnötig erachten. Den original Wortlaut diesbezüglich, erspare ich Ihnen, meine Damen und Herren!

Sehr froh bin ich, dass ich mir selbst in den Hintern getreten habe und für die Gruppe von Schülern und Lehrern, einen Termin Anfang Dezember, zum gemeinsamen Striezel Backen, eingeplant hatte. Sehr glücklich bin ich darüber, dass ich neben den Lehrern vor allem Dennis, Dominik & Dominik, Lukas, Mark, Pascal und Philip kennen lernen durfte. Und die Dankbarkeit, die mir schon während unserem Seminar entgegengebracht wurde, kann ich hiermit nur genauso zurück senden – vielen vielen Dank, Jungs!!

Und ich bitte jedem, der diesen Artikel liest und selbst die Möglichkeit hat oder jemanden diesbezüglich kennt, laden auch Sie diese wissbegierigen Jugendlichen ein, Handwerken Sie mit ihnen oder zeigen Sie ihnen einfach Ihre Arbeitswelt.

Herzlichst, Ihr Zuckerbäcker

Michael Mantl-Mussak

25 Minuten, von über 2 1/2 Stunden „köstlichen“ Videomitschnitt!